Absturzgefahr am Liftschacht: Sieben wichtige Regeln, die Leben retten können
Liftschächte gehören zu den besonders gefährlichen Bereichen auf Baustellen. Schon ein kurzer Moment der Unachtsamkeit kann bei ungesicherten Schachtöffnungen schwerste Folgen haben. Entscheidend ist deshalb, Absturzgefahren bereits bei der Planung zu erkennen und durch geeignete bauliche Schutzmassnahmen zu verhindern.
1. Liftschachtöffnungen konsequent sichern
Offene Liftschächte stellen ein erhebliches Absturzrisiko dar. Besonders gefährlich sind Öffnungen, die sich auf Verkehrswegen oder in Bereichen befinden, in denen verschiedene Berufsgruppen arbeiten.
Die Suva empfiehlt, Schachtzugänge mit geeigneten Schutzvorrichtungen zu sichern. Dazu gehören insbesondere stabile Abschrankungen und andere technisch geeignete Absturzsicherungen. Ein Warnschild allein ersetzt keine wirksame Sicherung der Öffnung.
2. Schachtabdeckungen müssen tragfähig sein
Eine provisorische Abdeckung kann gefährlich werden, wenn sie verrutscht, nicht ausreichend befestigt ist oder einer Belastung nicht standhält.
Abdeckungen müssen für die zu erwartenden Lasten ausgelegt und gegen unbeabsichtigtes Verschieben gesichert sein. Sie dürfen nur durch zuständige Personen entfernt werden. Sobald eine Öffnung freigelegt wird, muss eine andere geeignete Absturzsicherung vorhanden sein.
3. Arbeitsbereiche und Verkehrswege klar trennen
Auf Baustellen bewegen sich häufig gleichzeitig Bauarbeiter, Chauffeure, Lieferanten und Mitarbeitende verschiedener Unternehmen. Nicht alle Personen kennen die örtlichen Gefahren gleich gut.
Sichere Verkehrswege sollten deutlich erkennbar und von gefährlichen Arbeitsbereichen getrennt sein. Besonders bei Anlieferungen und wechselnden Baustellensituationen ist darauf zu achten, dass niemand unbeabsichtigt in die Nähe ungesicherter Schächte gelangt.
4. Gute Beleuchtung und Ordnung gewährleisten
Schlecht beleuchtete Bereiche können die Wahrnehmung von Absturzkanten erschweren. Gleichzeitig erhöhen herumliegende Materialien, Kabel und Werkzeuge das Risiko von Stolperunfällen.
Arbeits- und Verkehrswege müssen ausreichend beleuchtet und freigehalten werden. Auch bei gutem Licht dürfen offene Schächte jedoch niemals ungesichert bleiben. Die Beleuchtung ergänzt den baulichen Schutz, ersetzt ihn aber nicht.
5. Arbeiten verschiedener Unternehmen koordinieren
Beim Bau oder bei der Modernisierung eines Lifts sind häufig mehrere Unternehmen beteiligt. Werden Schutzvorrichtungen für bestimmte Arbeiten entfernt, kann dies andere Personen gefährden.
Deshalb müssen Zuständigkeiten und Arbeitsabläufe klar geregelt sein. Verantwortliche haben dafür zu sorgen, dass Schutzmassnahmen während sämtlicher Bauphasen bestehen bleiben oder durch gleichwertige Massnahmen ersetzt werden. Änderungen an Sicherungen müssen abgestimmt und kommuniziert werden.
6. Bei fehlender Absturzsicherung die Arbeit stoppen
Wer eine offene Schachtöffnung, eine beschädigte Abschrankung oder eine andere gefährliche Situation bemerkt, sollte nicht einfach weiterarbeiten.
Die lebenswichtigen Sicherheitsregeln der Suva folgen einem klaren Grundsatz: Bei Gefahr die Arbeit stoppen, die Situation sichern und erst weiterarbeiten, wenn die Gefahr beseitigt ist. Beobachtete Mängel müssen unverzüglich den zuständigen Vorgesetzten oder Sicherheitsverantwortlichen gemeldet werden.
7. Rettung aus einem Liftschacht vorbereiten
Eine Rettung aus einem mehrere Meter tiefen Schacht kann schwierig sein. Enge Platzverhältnisse, fehlende Zugänge und mögliche Verletzungen der Wirbelsäule erfordern besondere Vorsicht.
Alarmieren Sie bei einem Absturz sofort den Rettungsdienst unter 144 und schildern Sie die genaue Lage. Begeben Sie sich nicht selbst ungesichert in den Schacht. Ist die verletzte Person ansprechbar, halten Sie Kontakt, ohne sie unnötig zu bewegen. Die technische Bergung sollte durch entsprechend ausgebildete und ausgerüstete Rettungskräfte erfolgen.
Gut zu wissen: Die Suva behandelt die sichere Arbeit im Bereich von Liftschächten in einem eigenen Merkblatt. Darin werden unter anderem die Planung, die Koordination zwischen den Unternehmen, gesicherte Bodenöffnungen, die Beleuchtung und die technischen Anforderungen an Gerüste im Liftschacht beschrieben. Entscheidend ist, dass Absturzschutz nicht erst nach einem Zwischenfall organisiert wird.
Praktischer Tipp: Prüfen Sie vor dem Betreten eines Baustellenbereichs drei Punkte: Sind offene Schächte und Bodenöffnungen ausreichend gesichert? Ist der vorgesehene Weg frei und gut beleuchtet? Ist klar, wer für die Sicherheit des Bereichs verantwortlich ist? Bestehen Zweifel, sollte die Arbeit unterbrochen und die Situation geklärt werden.
Weitere Informationen: Zusätzliche Hinweise zu Unfallrisiken, Arbeitssicherheit und Prävention finden Sie auf Polizeinews Prävention.